Direktor statt Gemeindeschreiber?

Die SVP Alpnach hat sich mit der Absicht des Gemeinderates auseinander gesetzt, die Zahl der Mitglieder von fünf auf sieben zu erhöhen. Die Partei ist damit nicht einverstanden. Sie sagt, sie könnte das Anliegen zum heutigen Zeitpunkt nicht unterstützen. Der Gemeinderat hatte im Alpnacher Blettli Nr. 9/2010 die entsprechende Absicht geäussert. Das Vorhaben sei zumindest nochmal zu überdenken, findet die SVP. Das Ziel des Gemeinderates, die zeitliche Belastung pro Mitglied so auszurichten, dass auch noch Zeit für einen Erwerb oder ein Familien- und Sozialleben bleibe, müsse mit einem anderen Führungsmodell erreicht werden.

Die SVP legt einem Schreiben an den Gemeinderat Vorschläge für neue Führungsmodell vor und empfiehlt, sich auf eines dieser Modelle zu einigen, um so „eine Erhöhung der Sitze im Gemeinderat zu Gunsten einer modernen, effizienten operativen Führung der Gemeinde“ zu verzichten. In Zeiten zunehmend komplexer Aufgabenstellungen gehe es “ insbesondere um eine operativ wie administrativ effiziente und professionell geführte Gemeindeverwaltung.“ Das hedeute, dass die Gemeinderäte von Operativem entlastet würden und vermehrt strategisch führen könnten. Die SVP zitiert den Politologen Ivan Rickenbacher zur Thematik: „Immer schwieriger gestaltet sich die Suche nach geeigneten Gemeinderätinnen und Gemeinderäten. Eine Erhöhung der Gemeinderäte scheint falsch zu sein. Vielmehr ist die Effizienz- und Kompetenzsteigerung auf der operativen Ebene durch ein gutes Führungsmodell zu suchen“.

Die SVP empfiehlt dem Gemeinderat, die Zahl seiner Mitglieder nicht zu erhöhen. Im Gegenteil: Es sei die bessere Lösung, die Pensen gar zu senken und die verbleibenden Stellenprozente der Verwaltung für Funktionen wie einen CEO (Verwaltungsdirektor) oder Bereichsleitungen zur Verfügung zu stellen.  Nach Meinung der SVP mindere im übrigen „die überfällige, nun endlich initiierte Lohnanpassung für die Alpnacher Gemeinderäte bei gleichzeitiger Erhöhung der Anzahl der Gemeinderäte“ die Erfolgsaussicht bei einer Abstimmung „massiv“.

>> Wie der Gemeinderat argumentiert

>> Vorschläge der SVP für Führungsmodelle

1 Kommentar zu "Direktor statt Gemeindeschreiber?"

  1. Werte Alpnacherinnen und Alpnacher

    Das Thema Führungsmodell für unsere Gemeinde ist sehr interessant und in den vergangenen Jahren immer wieder diskutiert worden. Ich erlaube mir dazu folgenden Diskussionsbeitrag:

    Die CVP hat vor rund zwei Jahren eine überparteiliche Arbeitsgruppe beauftragt, die verschiedenen Führungsmodelle zu analysieren und auf die Machbarkeit in unserer Gemeinde zu prüfen. Die Arbeitsgruppe hat in sechs Sitzungen dieses Thema sehr intensiv bearbeitet und aus ihren Erkenntnissen einen Schlussbericht erstellt. Diesen hat sie dem Gemeinderat als Diskussionsbeitrag zur laufenden Organisationsentwicklung übergeben.

    Ich persönlich bin der Meinung, dass eine Gemeindeverwaltung von einer Geschäftsleitung, bei der eine Person den Vorsitz hat, geführt werden sollte. Der Vorsitz dieser Geschäftsleitung kann der Gemeindeschreiber (mit erweitertem Profil), ein Verwaltungsdirektor (nach heutigem Wortgebrauch ein CEO) oder ein Mitglied des Gemeinderates in der Funktion des Delegierten eines Verwaltungsrates sein. Die Geschäftsleitung könnte sich aus den einzelnen Abteilungs- oder Bereichsleiter (Schule, Bauen, technischer Dienst, Finanzverwaltung etc.) zusammensetzen.

    Dieses Modell bietet Gewähr, dass die Dienstleistungen der Gemeinde nach einheitlichen Ziel- und Qualitätsmerkmalen erbracht werden. Es fördert gleichzeitig die gemeinsame Arbeitskultur und verschiedene Abläufe können so effizienter gestaltet und optimiert werden. Die Ressourcenplanung insbesondere in den Bereichen Personal, Finanzen oder Infrastruktur erfolgt so ebenfalls nach einheitlichen Vorgaben.

    Die Gemeindeverwaltung hat in vielen Bereichen die Beschlüsse des Gemeinderates oder Massnahmen für Anliegen der Kunden (Bevölkerung) nach übergeordneten Ziel- oder Gesetzesvorgaben umzusetzen. Mit dem heutigen Modell besteht die Gefahr, dass die linke Hand nicht recht immer weiss was die rechte tut und sich verschiedene Abteilungen in einer Eigendynamik individuelle Ziel- und Qualitätsstandards setzen.

    Ich bin mir bewusst, dass die Frage des Führungsmodells auch mit Führungsphilosophie zu tun hat. Strategische und operative Aufgaben lassen sich in der Praxis nicht immer so leicht trennen.

    Aus meiner Sicht wäre es sinnvoll, wenn der Gemeinderat dieses Thema mit einer Projektarbeit bearbeiten und dafür eine breit abgestützte Arbeitsgruppe einsetzen würde. In unserer grossen Gemeinde gibt es ja zahlreiche führungserfahrene Mitbürgerinnen und Mitbürger, die sich auch mit Fragen zum Thema Organisationsentwicklung in ihrem Berufsalltag auseinandersetzen müssen.

    Herzliche Grüsse
    Oski Langensand

Einen Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*