Bei der Ortsplanung können alle mitreden

Das Gumeli unterhalb der Kreuzung Grueben-/Gresigengasse

Alpnach will und muss seine Ortsplanung revidieren. Die letzte ist schon bald zehn Jahre alt. Die 2006 angepackte Revision wurde sistiert, weil der Kanton von den Gemeinden zuerst sogenannte Masterplanungen verlangte. Nun ist klar, wo die Gemeinde ein-, aus- oder umzonen möchte. Zu den entsprechenden Plänen können bis 12. April alle Interessierten gegenüber der Gemeinde Stellung nehmen. Daraus wird dann der definitive Zonenplan erarbeitet, der in gut einem Jahr dem Volk vorgelegt werden soll. An einer Orientierungsversammlung liessen sich über 130 Personen über die Absichten der Gemeinde informieren.

Die Orientierung fand im Singsaal statt, wo derzeit das Theater “Wer lügt meh”? aufgeführt wird. Er hoffe, dass das Publikum nun nicht gekommen sei, um zu hören, ob der Gemeinderat oder die von ihm beigezogenen Fachleute vom Planteam S in Sempach mehr lügen würden, sagte deren Vertreter Roger Michelon. “Jetzt können alle Interessierten Stellung nehmen, bei der öffentlichen Auflage der Details dann nur noch die Direktbetroffenen”, sagte Michelon zum Vorgehen. Die Ortsplanung liegt derzeit parallel beim Kanton zur Vorprüfung. Michelon wies darauf hin, dass man alle Unterlagen auf dem Bauamt der Gemeinde einsehen könne. Er wies auch daraufhin, dass für speziell Interessierte zwei Fragestunden stattfinden, nämlich am Dienstag, 2. April, von 13.30 bis 18.30 Uhr und am Donnerstag, 4. April, von 13.30 bis 19.30 Uhr. Eine Anmeldung sei möglich, aber nicht zwingend. Wünsche, Eingaben, Anliegen könne man auch per Brief an die Gemeinde schicken, das konkrete Anliegen solle man jeweils kurz begründen. Die Gemeinde werde zwar den Eingang der Eingaben bestätigen, doch auf eine Antwort müsse man sich gedulden: Diese seien erst möglich, wenn der Kanton das Dossier kommentiert zurückgegeben habe. Gemeinderat Remo Küchler bat Alpnacher, welche in den vergangenen Jahren eine Eingabe gemacht haben, die nun nicht berücksichtigt worden sei, diese im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens nochmals einzureichen. Er betonte jedoch auch, dass man nicht alle Wünsche werde erfüllen können und nicht alle gleich viel Freude an der Ortsplanung haben könnten.

Für den Zeitplan des weiteren Vorgehens ist laut Michelon auch entscheidend, wann das vom Volk kürzlich angenommene Raumplanungsgesetz in Kraft trete. Sollte das wie geplant schon 2014 sein, würde die Ortsplanung sistiert, weil bis zum 1. Januar eine Genehmigung nicht möglich sei. Betroffen davon wären allerdings nur die Einzonungen, nicht jedoch der Rest der Revision. Würde das Gesetz erst 2015 in Kraft treten, könnte der Kanton die Ortsplanung noch genehmigen.

 Schoried hat zweite Priorität

Einzonungsgebiet Bitzi (grün)

Klar ist für Planer und Gemeinde, dass Schoried und Dorf nicht zusammenwachsen sollen. Man will einen Grüngürtel behalten. Erste Priorität bei Einzonungen und vor allem beim Verdichten der bestehenden Bauzonen habe das Dorf, Schoried habe zweite Priorität. Dennoch sind auch hier einige Einzonungen geplant. Das Gumeli (an der Kreuzung Gruebengasse/Gresigengasse), das Haftland an der Grossen Schliere (der dortige Schweinestall würde verschwinden), Teile des Bitzi an der heutigen Bitzistrasse.

Neue Regeln für “Tell”-Überbauung

Einzonungsgebiet Haftland (gelb)

Ein- beziehungsweise umgezont werden soll auch das Land des früheren Restaurants Tell. Die Liegenschaft kommt neu in die Kernzone 1 und gehört zum Ortsbildschutzbereich. Im Baureglement werden zudem Vorschriften zur Gestaltung erlassen. Die Umzonung sei auf das dortige Bauprojekt zugeschnitten, sagte Michelons Mitarbeiter David Stettler. Der Gemeinderat hatte nach Opposition gegen ein früheres Projekt, bei dem gar eine Gebäudelänge von 36 Metern erlaubt gewesen sei, eine Planungszone erlassen. Nun seien maximal noch 20 Meter Breite erlaubt, was nicht mehr einen so grossen Riegel ergebe. Zudem, so betonte Michelon, müsse das Projekt in mindestens drei Häuser aufgeteilt werden und der First müsse in Richtung Dorf schauen.

Im Dorf sind grössere Einzonungen  viergeschossige Wohnzone – im Gebiet Zineichen (bei der reformierten Kirche) und im Gebiet Zil/Vockigen (unterhalb Pilatus Getränke bis an die Schulhauszone) mit einer Einfahrt ab der Schoriederstrasse (Höhe Coop) geplant. Hier ist eine viergeschossige Mehrfamilienhauszone geplant. Der dortige Fussweg werde auf jeden Fall beibehalten, schliesslich bestehe dafür ein Wegrecht, sagte Gemeinderat Remo Küchler auf eine entsprechende Frage an der Versammlung. Ausgezont werden in der Milchrüti (hinter der Güetigen, im Bereich Chälen) 14’500 Quadratmeter auf Antrag des Besitzers ausgezont. Im Niederstand wird ein Teil des Tellachers eingezont, beim Bahnhof Alpnachstad ist eine Erlebniszone geplant. Schliesslich soll das Dorfzentrum Ost (nahe Pfarrkirche, Chilenmattli rund ums Gemeindehaus) in die neue Kernzone 3 kommen. Provisorisch reserviert wird planerisch die Pfarrmatte für den allfälligen Bau eines neuen Alters- und Pflegeheims, allerdings, so betonte Remo Küchler, seien dazu noch keine Entscheide gefallen. Ein solcher Neubau könnte auch anderswo entstehen.

Wachstum um rund 500 Personen

Der Kanton geht für Alpnach für die nächsten Jahre (bis 2025) von zusätzlich 540 bis 620 Bewohnern aus. Das bedeutet 13 bis 15 Hektaren Bauland, was bedeuten würde, das die Bauzonenreserven bei vollständiger Überbauung komplett aufgebraucht würden. Ein Bedarf für 400 Personen entsteht zusätzlich durch die “Ausdünnung”, das heisst dadurch, dass die einzelne Person immer mehr Wohnraum beansprucht. Um Platz für die 500 bis 600 zusätzlichen Bewohner zu schaffen, muss die Gemeinde also Reserven für 1000 Personen vorsehen, also gut das Doppelte. In den vergangenen 15 Jahren (1995 bis 2010) ist Alpnach um 982 Personen gewachsen. Zwischen 2000 und 2010 stieg die Zahl der Wohnungen um 222 an. Die Gemeinde habe aktuell vor allem zu wenig Ein- und Zweifamilienhauszonen (das will man vor allem in Schoried ermöglichen) und das Bauland zum Teil am falschen Ort.

>> Alle Infos zur Ortsplanung findet man online 

 

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