Lokalwissen prägte Alpnach persendlich

Karin Klapproth (links), Patricia Burch und Otto Camenzind

Wussten Sie, wer Peter Imdorf und Heinrich Wiffli waren oder woher der Name Alpnach kommt? Dies und mehr, auch einiges Erheiterndes, hörten die rund 80 Besucher am “Alpnach persendlich” vom Sonntag im Schlosshof. Gäste von Karin Klapproth waren alt Lehrer und Lokalhistoriker Otto Camenzind und die Musikerin und Musiklehrerin Patricia Burch. Nach dem Gespräch gabs einen feinen Apéro, bei dem man vor dem Schlosshof die frühsommerlichen Temperaturen geniessen konnte. (Aktualisiert inklusive Diaschau)

Das Gespräch sei eine Gelegenheit, mit Clichees aufzuräumen, sagte Moderatorin Karin Klapproth eingangs. Als Beispiel nannte sie Otto Camenzind, der mit einem topmodernen Mac-Computer arbeite. “Die Söhne hatten immer die neusten Modelle und gaben mir die älteren”, sagte Camenzind dazu. In der Rückblende auf seine Jugend (1934 geboren) sagte er: “Wir haben sehr einfach gelebt, aber nie hungern müssen.” Geprägt hätten ihn unter anderem die dunkeln Abende im Dorf während des Kriegs, als die Fenster verdunkelt werden mussten.

Otto Camenzind

Geprägt hat den Lehrer auch sein eigener Lehrer, Ernst Lüthold. Er hat in Camenzind nicht nur die Freude an diesem Beruf geweckt (“Er war ein glatter Cheib, und ich wollte auch so einer werden”), sondern er holte ihn nach Wanderjahren in den Kantonen Uri und Luzern auch wieder nach Alpnach zurück. Der Schüler Camenzind hatte zuweilen im Auftrag seines Lehrers Diktate von Mitschülern korrigieren dürfen. “Ordnung und Disziplin” seien ihm als Lehrer immer wichtig gewesen. Kein Wunder, das war auch nötig, hatte er doch bei seiner ersten Stelle in Kägiswil nicht weniger als 48 Schulkinder in einer Art Gesamtschule. A propos Disziplin: “Ich wünschte mir oft, es wäre in der heutigen Schule noch so”, sagte Camenzind. Sicher war man teilweise streng und habe es auch mal “Tatzen” (Schläge) abgesetzt, aber das habe man damals nicht so tragisch genommen.

Gerne wäre Camenzind in Littau geblieben, er liebte die Nähe zur Stadt wegen des dortigen kulturellen Angebots, das man damals von Obwalden aus kaum nutzen konnte. Camenzind kam aber doch gerne nach Alpnach zurück, das damals, 1962, noch ein Bauerndorf war, “und ich dachte, es bleibe eines.”

Patricia Burch

Aus einer ganz anderen Welt, jener der Musik, kam Patricia Burch, der zweite Gast von Klapproth. Allerdings eine Parallele gibt es. Sie ist heute unter anderem als Musiklehrerin tätig. Gefördert wurde sie früh von ihren Eltern und ihren Lehrpersonen, sie nahm schon in jungen Jahren Gesangsstunden. Ihr gefiel die klassische Welt, derweil zu Hause das Volkstümliche vorherrschte. Den Unterschied bekam sie zu spüren, als sie mal am Musikschulkonzert in der vollen Turnhalle Mozart vortrug. “Anderntags gab es auf den Deckel. Wie singst du nur?”, habe sie zu hören bekommen. Inzwischen seien Gesangsstunden an Musikschulen “in”.

Burch sprach sich auch für eine gewisse “Strenge” im Unterricht aus, gerade im Einzelunterricht in Musik. “Man muss klare Ziele vorgeben, aber auch das Zwischenmenschliche muss stimmen, man muss spüren, wie es dem Schüler geht.”

Wer war Heinrich Wiffli?

Als Zwischenspiel machte Karin Klapproth ein Quiz zur Geschichte Alpnachs und zu Musik. Otto Camenzind spielte gegen Martin Wallimann, Patricia Burch gegen Jo Ziegler. Da erfuhren die Besucher beispielsweise, dass Peter Imdorf und Heinrich Wiffli zwei Alpnacher sind, die im Morgartenkrieg gefallen seien. Oder dass der Alpnacher Kirchturm der dritthöchste in der Schweiz ist. Oder dass Patricia Burch in der Band >> Morning transfer spielt. Die Band spielt seit eineinhalb Jahren und geht im Herbst auf Torurnee mit funkig-jazziger Musik und alles selbst geschriebenen Texten.

Hobby wurde zum Beruf

Patricia Burch hat nach ihrem Musikstudium kürzlich auch die Ausbildung als Kulturmanagerin abgeschlossen. Sie habe ihr Hobby zum Beruf machen können, und daraus nehme sie sehr viel Energie, und wenn es dann noch Helfer rundherum gebe, dann sei es möglich, auch etwas Grosses wie ein Fest, ein Theater oder ein Konzert steigen zu lassen. Burch ist unter anderem OK-Präsidentin des Seeguslerballs. Alpnach erlebt die Schwanderin eher zwiespältig. Es gebe jene, die aktiv am Vereinsleben teilnehmen, aber viele nehme man nicht wahr, weil sie offenbar Alpnach nur als Schlafstadt sähen. Sie wünsche sich, dass auch im Schulbetrieb die Motivation vermittelt werde, Verantwortung zu übernehmen und mitzugestalten. Das stärke schliesslich die Gesellschaft.

Otto Camenzind liess sich seinerzeit mit 63 Jahren frühpensionieren, weil er die Reform der Oberstufe (Zusammenlegung Sek und Real) nicht mehr mitmachen wollte. Das habe damals auch für die Schulbehörden gestimmt, und für ihn stimme es immer noch. “Mich hätte sehr viel Organisatorisches erwartet, das ich nicht mehr anpacken wollte.” Hätte er einen Wunsch offen, so würde er sich wünschen, dass seine vier Grosskinder in einer Gesellschaft aufwachsen können, die noch stark auf der Grundlage der Familie aufbaut, und das ohne, dass der Staat zu stark eingreift.

Hören Otto Camenzind aufmerksam zu: Die drei "Fuchsloch"-Musiker Sämi, Beni und Nando

Das Gespräch wurde mit einem Apéro abgeschlossen, das dann zum Jubiläum 10 Jahre Schlosshofrenovation überleitete. Musikalisch begleitet wurde der Anlass vom jungen Trio Fuchsloch.

Isabelle Frank ist neue Hausmeisterin im Schlosshof, hier mit Martin Wallimann

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