Finanziell stürmische Zeiten für Alpnach

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Thomas Küchler

Die Alpnacher Gemeindeversammlung hat am Donnerstag abend alle Geschäfte gutgeheissen. Das sind das Budget 2011 sowie die neue Ring-Wasserleitung im Gebiet Grunzli/Styg für 435’000 Franken. Die beantragten Einbürgerungen gaben zu keinen Fragen Anlass. Umfassend informiert wurde von Finanzchef Thomas Küchler auch über den Finanzplan bis 2016, der von finanziell stürmischen Zeiten ausgeht, und über den neusten Entscheid aus Bern zum A8-Vollanschluss (siehe separaten Bericht), ferner wurden schriftlich eingereichte Fragen zum Thema Jugendarbeit und Schule beantwortet. (Bericht mit allen Infos online)

Finanzchef Thomas Küchler informierte eingehend über die Aussichten für die nächsten Jahre. Er betonte, dass hohe Investitionen und dementsprechend auch hohe Abschreibungen die Gemeindekasse in den nächsten Jahren stark belasten werden. “Wir hoffen, dass die Pro-Kopf-Schuld nicht noch höher ansteigt”, sagte er zum aktuellen Wert, der gemäss kantonalen Richtlinien bereits als “hoch” bewertet wird. Für das laufende Jahr – budgetiert war ein Defizit von 1,8 Millionen – erwartet Küchler noch “eine rote Null”, seien doch per Ende Oktober 1,7 Millionen mehr an Steuern eingegangen als erwartet. Doch in den nächsten Jahren wird jedes Jahr mit einem Defizit von 1,1 bis 1,9 Millionen Franken gerechnet – immer auf Basis des Finanzplans, der laufend der Entwicklung angepasst werden muss. Entsprechend wurde der Finanzplan der Versammlung auch nur zur Kenntnisnahme unterbreitet.

Küchler zählte an grösseren Investitionen 3,5 Millionen für ein neues Feuerwehrlokal (2015/16), 9 Millionen für eine Dorfhalle (ab 2015), 1 Million für den Ersatz des Geissfussstegs in Schoried (2014) und weitere Investitionen in Strassen von 1 Million pro Jahr auf. Ebenfalls im Finanzplan figurieren 2,5 Millionen für den >> Vollanschluss der A8. Steigende Defizite werden in der Wasserversorgungsrechnung erwartet, so dass eine Gebührenerhöhung zu erwarten sei, um die Rechnung wieder ausgeglichen zu gestalten. Der Gemeinderat müsse “noch gewaltig am Finanzplan” arbeiten, betonte Küchler, und erklärte, dass der Rat bereits konkrete Massnahmen beschlossen habe: Jedes Geschäft werde auf Sparpotenzial überprüft, man versuche die Aufgabenteilung mit dem Kanton auf neue Beine zu stellen und suche auch nach neuen Einnahmenquellen.

Der Finanzplan basiert auf einer jährliche Zunahme der Steuereinnahmen von 3,5 Prozent (bei gleich bleibendem Steuerfuss) sowie einer Zunahme des Ausgaben für Lehrerlöhne, Sachaufwand und die Verwaltung von je 2 Prozent pro Jahr. Ferner hat der Gemeinderat seinen Berechnungen eine Bevölkerungszunahme auf 6600 im Jahr 2016 (5900 Ende 2011) zugrundegelegt. Küchler schloss mit den Worten, es kämen stürmische Zeiten auf Alpnach zu, aber der Gemeinderat versuche alles, den Sturm klein zu halten.

280 Zuwanderungen bis Ende September

Auf eine schriftliche Frage von Werni Birrer (SVP) gab Gemeindepräsident Michael Siegrist bekannt, dass von 2001 bis 2008 pro Jahr etwa 20 bis 30 Personen netto nach Alpnach zuzogen. 2009 waren es dann 210, dieses Jahr bis Ende September gar 289. Davon seien 113 Ausländer, und zwar aus 23 Nationen. Angeführt wird die Rangliste von Deutschen (41) und Portugiesen (34). Es folgen: Sri Lanka (7), Erithrea (6), England und Italien (je 3) und diverse Nationen mit 1 und 2 Neuzuzügern.

Ja zu allen Geschäften

Die Geschäfte der Gemeindeversammlung gaben nichts zu reden. Das Budget wurde diskussionslos angenommen, ebenso der Kredit für die Ring-Wasserleitung. Departementschef Remo Küchler betonte, diese Leitung sei im Interesse der Versorgungssicherheit für die Industrie entlang der Autobahn und die neuen Häuser im Dorfli und darum herum nötig. Man habe heute bei der Hofmättelikreuzung einen Engpass, wodurch bei einem Zwischenfall viele Betriebe und Private kein Wasser mehr hätten. Der Kredit beträgt 435’000 Franken. Zu keinen Fragen Anlass gaben auch die Einbürgerungsgesuche.

“Lehrer-Überfluss” trotz Mangel

SVP-Präsident Werni Birrer hatte schriftlich um Auskunft gebeten, was der Gemeinderat unternehme, damit nicht wie heute 60 Prozent der Lehrkräfte in Alpnach in anderen Gemeinden oder Kantonen wohnten. “Nichts”, sagte Gemeindepräsident Michael Siegrist. Weil man auch nichts machen könne, will heissen, natürlich ermuntere man sie, in Alpnach zu wohnen, und man versuche, eine wohnattraktive Gemeinde zu sein. Aber die Niederlassungsfreiheit in der Schweiz verbiete es, jemandem einen Wohnsitz aufzuzwingen. Da müssten schon ganz wichtige Interessen mitspielen, und rein steuerliche (finanzielle) würden gemäss Rechtssprechung nicht genügen. Im übrigen, so betonte Siegrist, müssten bei konsequenter Anwendung eines solchen Zwangs auch Lehrer aus Alpnach wegziehen: 94 Lehrpersonen wohnen laut ihm in Alpnach, das seien klar mehr als in Alpnach auch unterrichten. Gemäss Schulblatt sind an der Schule Alpnach rund 70 Lehrkräfte tätig. “Es wäre auch falsch, hier Hürden aufzustellen”, betonte Siegrist, weil man ja gute Lehrer wolle und nicht einfach solche, die zufällig in Alpnach eine Wohnung suchten. Er erinnerte daran, dass in der Schweiz Lehrermangel herrsche.

Neu sieben statt fünf Gemeinderäte

Eingangs der Versammlung hatte Gemeindepräsident Michael Siegrist nochmal daran erinnert, dass der Gemeinderat neu statt fünf wieder sieben Mitglieder möchte. “Wir haben eine hohe Präsenz auch an Abenden und Wochenenden. Und die Belastung nimmt laufend zu, auch wegen neuen Aufgaben.” Die Aufstockung sei wichtig, um auch weiterhin genug Leute für politische Ämter gewinnen zu können. –

Kurz und bündig äusserte sich Siegrist zur Abstimmung vom Wochenende über den Schulhausanbau: “Am Sonntag ist Abstimmung. Gehen Sie.”

Ende der Versammlung: 21.30 Uhr / Anwesend 100 Personen

>> Medienmitteilung der Gemeinde zur Versammlung

>> Zur Botschaft der Gemeindeversammlung


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