90 Personen am 5. Alpnach persendlich

Gastgeberin Karin Klapproth

Gastgeberin Karin Klapproth

90 Personen haben am Sonntag im Singsaal im Rahmen von “Alpnach persendlich” ein unterhaltsames Gespräch mit Angelika Albert und  Bernhard Müller erlebt.

26.10.09 – Ein amüsantes, unterhaltsames und kurzweiliges Gespräch erlebten die 90 Anwesenden am Sonntag im Alpnacher Singsaal. Gastgeberin Karin Klapproth verstand es, Persönliches und Berufliches aus ihren beiden Gästen herauszukitzeln, das wohl nicht alle im Saal wussten. Dabei gab es auch ein paar spannende Geständnisse.

Gut gefüllter Singsaal.

Gut gefüllter Singsaal.

Die bereit gestellten Stühle reichten bald nicht mehr, noch und noch mussten neue hineingetragen werden. Untermalt von Klängen der Gnepfstäi-Örgeler, die sich als wahre Verwandlungskünstler entpuppten, lief das 5. Treffen unter dem Titel Alpnach persendlich ab. Das junge Alpnacher Trio passte seine Kleider im Rahmen seiner Auftritte den Gästen (Militär/Landwirtschaft) an.

Bernhard Müller, Pilot und Divisionär

Von Bernhard Müller, Pilot, Divisionär und stellvertretender Chef der Luftwaffe, erfuhren die Anwesenden, dass er die Funktion in der Luftwaffe schon länger innegehabt habe, “aber ohne den Titel. Es war eine Ungewissheit vorhanden, ob der bundesrat einen so kurligen Kerl wie mich wählen würde.” Seine Biographie sei nicht gradlinig militärisch verlaufen, auch haber er zuweilen Kritik an der Armee geübt, er sei ein Freidenker gewesen, trug lange Haare. Als er seinerzeit nach Obwalden zog, heirateten er und seine Frau des Konkubinats wegen, um im konservativen Kerns nicht anzuecken. Später zogs ihn nach Alpnach, “bewusst, weil ich wohnen will, wo ich arbeite, auch weil wir ja mit unseren Flugzeugen Lärm produzieren – aber auch Arbeitsplätze schaffen”. Müller muss in seiner Funktion “mit jedem Kandidaten, der Hauptmann werden will, ein 20minütiges Gespräch führen. Dann muss ich unterschreiben, ob ich ihn für fähig halte.” Natürlich reiche diese Zeit nicht, um allfällige Blender auszuscheiden – “und am Schluss steht mein Name darunter”. Die Verantwortung und Verantwortlichkeit in seinem Beruf sei gross, aber er dusche jeden Abend, und dann seien solche Sorgen wieder weg. Was viele nicht wüssten: Sein Job habe sehr viel auch mit ziviler Fliegerei zu tun, etwa, wenn die Armee dem Grenzwachtkorps bei der Sicherung des Luftraums helfen müsse.

Ziviler Pilot wäre schon was gewesen für ihn, lag aber finanziell zu Hause nicht drin. “Das war kein Thema.” Sein Götti, ein Primarlehrer, hat in ihm die Leidenschaft fürs Fliegen geweckt, indem er ihm eine Zeitschrift und mal einen Flug von Zürich nach Genf schenkte. Müller versuchte es bei der Armee, die Ausbildung zu machen, “1500 andere wollten auch, ich hatte einfach Glück”, meinte er. Heute sei er “froh, diesen Weg gemacht zu haben”. Fast hätte es ihn wie Angelika Albert auch in die Landwirtschaft verschlagen. Mit 16 Jahren überlegte er sich, den Hof seines Grossvaters zu übernehmen. “Die erste Kuh, die Maja, hatte ich schon fast gekauft, aber ich sah, dass das nicht so einfach war, es wäre ein steiniger und schwerer Weg geworden.” Heute fühlt er sich wohl in Obwalden. Damals seien sie als Zuzüger schon “wie fremde Fötzel angesehen” worden, seine Frau habe allerdings als Lehrerin in Kerns schnell Fuss gefasst und Leute kennen gelernt. Doch zwischendurch muss er verreisen, “ich muss das Land verlassen, um mich vom Alltag lösen zu können”, sagte Müller.

Im Gegensatz dazu wird Angelika Albert nicht grad wieder fort fliegen. Sie hat es mal versucht, mit der ganzen Familie, weg, an die Sonne, nach Sharm el Sheikh. Doch das Packen vorher und das Einräumen nachher waren ein Stress, das Wetter nicht wie vorausgesagt, der Mann bekam Rückenweh im fremden Bett, und die Kinder waren noch zu klein, dass sie hätten allein gelassen werden können. Da liebt sie doch eher den Garten, “das ist mein Reich.” Hier könne sie abschalten. “Beim Hacken, Jäten, Säen und Ernten kann man so schön den Gedanken nachhängen. Sie ist heute mit Leib und Seele Bäuerin, obwohl sich das die gebürtige Luzernern (Aesch) früher nicht hatte vorstellen können. Dir Vorstellung, “immer angebunden zu sein und nie Ferien machen zu können, immer dieses Risiko”, das hatte sie auf dem elterlichen Hof zur Genüge erlebt. Zwar half sie gerne auf dem Hof mit, “aber ich sah, dass das nicht meine Welt ist.” Und doch hat sie es vie Bäuerinnen- und Familienhelferinnenschule wieder in die Landwirtschaft verschlagen. Sie half viel bei Bauernfamilien aus.  Und sie entdeckte dieses Leben neu: “Man arbeitet viel mit der Natur und den Lebewesen.”

Allerdings ist das nicht immer berechenbar, sei es das Wetter, seien es Schicksalsschläge wie kürzlich mit einer Fehlgeburt eines Rindes, das einen vierstündigen Vieharzteinsatz nötig machte. Sie fühlte sich in Alpnach auch gleich wohl, lernte durch ihren Mann schnell viele Leute kennen. Auch die Zeit auf der Alp war dazu hilfreich, “wir hatten immer wieder Besuch.” Die Scholle liegt ihr am Herzen. Als Karin Klapproth ihr einen Wunsch an den Gemeindepräsidenten gewährt, sagt sie, es werde im Moment zu viel gebaut, “dadurch geht so viel Land verloren, nicht nur für die neuen Häuser, sondern auch für Infrastruktur wie Schulhäuser.” Diese Entwicklung beobachtet sie mit Sorge.

“Ich bin noch immer sicher, dass ich den Richtigen gefunden habe”, sagte Angelika Albert über ihren Mann Markus. Gesprächsleiterin Karin Klapproth, seit kurzem verheiratet, stellte eingangs des Gesprächs persönliche Fragen zu Beziehung und Ehe und wollte von den beiden Gästen auch Tipps für eine gute Partnerschaft. “Vertrauen” sei das Wichtigste, gab ihr Angelika Albert auf den Weg, Bernhard Müller den Begriff “Toleranz”. Diese brauchte seine Frau schon damals in den Flitterwochen in Italien. “Ich habe Geschichte studiert und bin damals allen Steinen, welche die Griechen hinterlassen haben, nachgerannt.” Das habe seine Frau nicht so lustig gefunden.

Die Gnepfstä-Örgeler.


Kommentar hinterlassen zu "90 Personen am 5. Alpnach persendlich"

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: