Die Zufälle in Zimmermanns und Wielands Leben

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Von links: André Zimmermann, Karin Klapproth, Jonas Wieland

Gut 60 Personen haben am Sonntag in der reformierten Kirche in Alpnach eine unterhaltsame 6. Auflage von Alpnach persendlich erlebt. Gäste von Karin Klapproth, die im Namen der Kulturkommission erneut durch den Morgen führte,  waren Pilatus-Bahn-Direktor André Zimmermann und der Kaminfegermeister Jonas Wieland, seines Zeichens OK-Präsident der Alpnacher Gewerbeausstellung vom September dieses Jahres. Dabei erfuhr man einiges über die beiden Personen und ihren Werdegang. der in beiden Fällen auch von Zufällen geprägt war. – Bald gibts hier mehr

André Zimmermann (links) und Jonas Wieland

André Zimmermann (links) und Jonas Wieland

Zu Beginn des Gesprächs wollte Karin Klapproth erst einmal geklärt haben, wem eigentlich der Pilatus gehöre. Der Fall ist laut André Zimmermann absolut klar: “Er gehört den Alpnachern.” Das zeige sich darin, dass alle Anlagen auf dem Berg auf Obwaldner Boden seien. Ab Fräkmüntegg höre Luzern auf, zwischendurch sei man noch auf Nidwaldner Boden. Ein Luzerner Berg sei der Pilatus auf jeden Fall nicht, sagte Zimmermann, ergänzte jedoch auch: “Der Berg gehört sehr vielen Menschen, die ihn schätzen und nutzen.”

Der Pilatus weckt in André Zimmermann Kindheitserinnerungen an die Zeit, als er als Schüler mit der VBL nach Kriens fuhr, die Skis buckelte und zur Skischule am Pilatus hochfuhr. Inzwischen ist der Pilatus sein Leben, seine Berufuung: “Er ist 365 Tage im Jahr mein Alltag, in der Freizeit schaue ich an ihn hinauf, sonst arbeite ich dort”, sagte Zimmermann. Auch Kaminfegermeister Jonas Wieland, Geschäftspartner von Urs Hollenstein, hat eine Arbeitsbeziehung zum Pilatus: Er war im Dezember 2004 das erste Mal oben, um die Heizung zu putzen. “Der Berg hat mich nicht sonderlich beeindruckt”, gab er unumwunden zu, auch wenn er ihn schön findet.

Evelyn Studer

Evelyn Studer

Gut 60 Personen hatten sich zum Anlass in der reformierten Kirche eingefunden und lauschten aufmerksam dem unterhaltsamen Gespräch, bevor es am Schluss zu einem Apéro ging. Begleitet wurde der Anlass musikalisch durch Evelyn Studer an der Handorgel.

Weg des geringsten Widerstands

Jonas Wieland erzählte, dass als Jugendlicher den Weg des geringsten Widerstands gesucht hatte: Er suchte eine Lehre, die nur drei Jahre dauert und leicht zu bestehen sei, aus “lauter Bequemheit und Faulheit” sei er zum Kaminfegerwesen gekommen. “Aber der Weg hat sich bewährt”, meinte er gleichzeitig. Dabei hätte er, so meinte er als Jugendlicher, durchaus das Zeugs zu einem grossen Fussballgoalie gehabt. “Ich liebte diesen Sport und meinte, ich müsste entdeckt werden.” Dazu kam es jedoch nicht, dafür ist er nun ein Jahr nach dem Ende seiner Aktivkarriere als Fussballer als Goalietrainer im Einsatz, “damit vielleicht ein anderer mal noch besser wird”, witzelte er im Gespräch mit Karin Klapproth. Um gleichzeitig anzufügen, mit 27 sei er noch nicht zu alt für einen allfälligen Wiedereinstieg.

Als Partner von Urs Hollenstein bei Kaminfeger Plus will er gute Dienstleistungen bieten und so dem Image des Kaminfegers als Glücksbringer etwas nachkommen. Dieses Bild der Kaminfeger, so klärte er auf, komme aus dem Mittelalter, als die Häuser noch sehr nahe aneinander gebaut waren und die Kaminfeger, die ja Brände verhinderten, eben als Glücksbringer angesehen wurden. Ebenfalls aufgegeben hat Wieland vor zwei Jahren sein zehnjähriges aktives Mittun in der Musikgesellschaft Alpnach, allerdings helfe er zwischendurch noch aus, übrigens ganz gerne. “So wie ich damals reinrutschte, so bin ich auch wieder rausgerutscht.” Ebenso erging es ihm beim Präsidium des OKs für die Gewerbeausstellung im September dieses Jahres. Diese Aufgabe sei absolut spannend, und dazu gekommen sei er, “weil ich vielleicht einmal zu viel gefragt habe.” Es sei eine besondere Erfahrung, dass sich viele bestandene erfolgreiche selbstständige Unternehmer “von einem jungen Schnösel” führen lassen. Er habe ein gutes OK, man sei auf Kurs und er könne eine “vielseitige, interessante Ausstellung” versprechen. “Das wird sicher eine ganz tolle Sache.”

Zeitungsinserate führten Zimmermann weiter

André Zimmermann erzählte, wie er als Quereinsteiger zum Engagement auf dem Pilatus kam. Dabei spielten zweimal auch Zeitungsinserate eine wichtige Rolle. Er sei als Bub schon immer sehr fasziniert gewesen von der Fliegerei. So fuhr er zuweilen von Luzern mit dem Velo nach Beromünster, um den Piloten zuzusehen. “Die Fliegerei fasziniert mich auch heute noch extrem”, sagte Zimmermann. “Es war immer ein schönes Erlebnis, wenn einem als Bub ein Pilot zurückwinkte.” Er machte eine Lehre als Maschinenmechaniker auf dem Flugplatz Emmen, mit 17, 18 Jahren lernte er in Kägiswil fliegen auf einer Piper und brachte es bis zur Berufspilotenausbildung. Der Traum vom beruflichen Dasein in der Luft aber ging nicht in Erfüllung, als er mit 23 noch immer keine Stelle gefunden hatte, begann er diese Wunschvorstellung zu relativieren und sagte sich, er könne nicht auf Dauer einer Idee nachhängen. Er begann auch die Faszination darüber zu relativieren, “in einem Cockpit eingeengt” zu sein. Als er bei der Mutter ein Zeitungsinserat für einen Servicetechniker bei der Komax fand, bewarb er sich und hatte dort achte Jahre lang “eine ganz  gute Zeit.”

Auch der Wechsel zu den Pilatusflugzeugwerken kam aufgrund eines Zeitungsinserats zustande. Zwar bekam er nicht die ausgeschriebene Stelle und betrachtete es schon als Vertröstung, als man ihm sagte, man hätte für ihn eventuell etwas anderes. Eine feine Art, einen Bewerber abzuservieren, fand er das damals – bis wenige Tage später ein Anruf kam und man wissen wollte, ob er Interesse am Posten des Direktionsassistenten von Oscar Schwenk hätte. Er wurde zum Gespräch eingeladen, ängstigte sich, weil er nicht wusste, was er fragen sollte – und weil er dann keine offenen Fragen hatte, nachdem ihm Schwenk den Job vorgestellt hatte, bekam er die Stelle.

Besondere Umgebung: Reformierte Kirche

Besondere Umgebung: Reformierte Kirche

Und eines Tages – er hatte mitbekommen, dass es bei den Pilatusbahnen Probleme gab – diskutierte Schwenk, auch Verwaltungsratspräsident des Bahunternehmens, mit ihm darüber. Das war im Sommer 2001. Schwenk sagte ihm, dort müsste ein Junger mit neuen Ideen hin – und Zimmermann nickte innerlich und verliess das Büro. “Für mich war das kein Thema, ich verstanden weder etwas von Bahnen noch von der Gastronomie”, sagt Zimmermann über die damaligen Gedankengänge. Aber Schwenk sei ihm, was er sonst nie gemacht habe, nachgelaufen und habe ihn gefragt, ob er es sich nicht überlegen wolle – und er tat es, sagte zu und liess sich anstellen. Er begann im Frühjahr 2002, im Jahr nach 9/11, in einer “extrem schwierigen” Zeit, doch habe es damals eigentlich nur aufwärts gehen können. “Ich hatte und habe noch immer sehr gute Leute, die mich tragen”, sagt Zimmermann. Sie hätten ihn zunehmend respektiert und machen lassen und in ihm als Quereinsteiger auch eine Chance gesehen.

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